Die ersten paar Tage sind rum. Wie geplant - sofern man das ohne Plan sagen kann - bin ich gerade in Kirkcudbright. Also eigentlich bin ich sogar vor dem Zeitplan (der ja gar nicht existiert), zumindest ein paar Kilometer.

Dass ich Seefahrten gar nicht so lustig und gar nicht so schön sondern eher ziemlich langweilig finde, habe ich ja schon mal geschrieben (LINK). Man kann es aber deutlich kurzweiliger gestalten, wenn man einfach die ganze Zeit isst und trinkt. Ich ging also sofort in die Bar, um dort ein köstliches Newcastle Brown nebst Chips zu ordern und dem Schiff gemütlich im Sessel sitzend beim Auslaufen zuzusehen. Ein Abendessen, sehr frühes Zubettgehen und ein Frühstück später und schon war ich in Newcastle. Bestes Wetter - an Deck war es allerdings noch ziemlich kalt -, die Laune war auf ordentlichem Niveau.

Ich hatte mein Rad weitestgehend beladen im Bauch der Fähre abgestellt, was sich als gute Idee herausstellte, denn das Beladen auf engstem Raum wäre doch eine weniger entspannte Angelegenheit geworden und natürlich hat sich eh niemand für die komischen, langen Stöcke auf dem Gepäckträger interessiert.

Jetzt ging es also wirklich los. Die Einreise war nicht nur entspannt, sondern dank eines sehr netten Gespräches mit einem erfahrenen Radwanderer neben mir sogar sehr unterhaltsam. Sein Hinweis, dass man zwar Wild Camping in Schottland machen dürfe, aber ja nicht unbedingt müsse und dass die Campingplätze doch deutlich besser mit dem nassen Wetter umgehen können, sagte mir, dass auch für die coolen Radler ein Minimum an Komfort ganz in Ordnung ist.

Die Fahrt zum Bahnhof war ein erster kleiner Test, denn einige kleine Hügelchen galt es schon hier zu überwinden, aber alles ging wunderbar. Ein kleines Highlight war das tolle Bike-Café am Wegesrand (The Hub, wenn ich mich recht erinnere). Ein leckerer Scone und eine erfolgreiche Hilfsaktion beim Importieren von GPX-Daten für einen weniger technik-affinen Radler aus den Niederlanden (Grüße an Bert!) stärkten mich körperlich und seelisch.

Die Antwort auf die Frage nach dem Zugtransfer stand ja noch aus, nachdem ich erfolglos versucht hatte, die Antwort telefonisch herbeizuführen. Am Ende war es zwar recht simpel (Ticket am Automaten ziehen und rein in die Bahn), allerdings musste ich einen Zug ziehen lassen, da die kleine Bimmelbahn mit der Radfamilie vor mir schon mehr als ausgelastet war. Allerdings war das Bahnpersonal am Bahnhof großartig und hilfreich, so dass dort dann keine Fragen mehr offen blieben. Ein Stunde später konnte ich dann entspannt nach Carlisle fahren; ehrlich gesagt war der Zug auch wesentlich schöner und geräumiger, so dass ich stets die Wahl zwischen Nickerchen und in die Gegend starren hatte. Vor allem Ersteres ist in einem vollen, kleinen Abteil mit harter Bestuhlung doch schwieriger.

Aus dem Bahnhof von Carlisle ging es dann - nach kurzer Verpflegungsunterbrechung - los nach Gretna Green. Dort hielt ich mich dann aber nicht lange auf - ich hatte ja eh niemanden zum Heiraten dabei -, da der dortige Campingplatz aufgrund des tollen Wetters kurzfristig seine Strategie geändert hatte und statt Zelten doch lieber ausschließlich auf Wohnwagen setzte. Na ja, da doch alles recht gut lief, ich guter Dinge war und zudem von der Sonne verwöhnt wurde, fielen mir die 20 und ein paar zerquetschten Kilometer bis zum Platz Hoddom Castle auch nicht sonderlich schwer. Es hat sich außerdem gelohnt, denn nicht nur zeltete ich quasi im Schatten einer Burg, sondern cycgo konnte mit überraschend wenig Aufwand seinem zweiten Daseinszweck zugeführt werden. Der Campingplatz verfügte über einen eigenen 9-Loch-Golfplatz. Der war nun definitiv keine golferische Offenbarung, aber wie könnte ich bei dieser Kombination kritisch sein? Ich hatte also noch ein bisschen Spaß in der Abendsonne (Regen in Schottland? Vielleicht morgen?) und verkroch mich dann nach den ersten knapp 50 km und einer Menge an Erlebnissen ins Zelt.

Die unter notarieller Aufsicht ermittelte cycgo-Wertung für diesen Tag war ganz klar: 9 von 10 möglichen Golfbällen mit kleinen Fahrrädern als Aufdruck.

Kommentare   

#1 Marco 2018-08-13 06:13
Das zu lesen und gleichzeitig den ersten Arbeitstag zu beginnen ist auch nicht wirklich einfach :lol:
Ich wünsche Dir weiterhin viele tolle Eindrücke und Erfahrungen, Du cooler Radler :D

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